Online Poker: Wie man Hobbyspieler vor Profis schützen kann

Ich habe ja im letzten Post zur eingeführten Spieler-Segmentierung von PartyPoker schon meine Meinung zum Thema gesagt. Wer den Beitrag nicht lesen will: Bei Party können überdurchschnittlich gute Spieler sich in Cash Games nicht mehr an Tische setzen, an denen sehr schlechte Spieler sitzen. Grund ist, dass Party vermeiden will, dass die starken Spielern den schlechten Spielern das Geld zu schnell abnehmen und sich dieses dann auszahlen lassen. Das ist auf den ersten Blick schlecht für den Pokerraum, weil damit dem „Ökosystem“ Geld entzogen wird. Besser wäre es, wenn lediglich der Pokerraum-Betreiber dem System (mittels Rake) Geld entziehen könnte.

Ich wundere mich immer was Party zu dieser drastischen Massnahme bewogen hat. Immerhin gäbe es verschiedene Alternativen, welche die guten Spieler nicht vergraulen würde (und Party verdient viel Geld an den Multitabling Regs).

 

Vorschlag 1: Tische für Hobbyspieler

Einige Pokerseiten haben ja sogenannte Anfängertische (Fish-Tables oder ähnlich). Nachdem man sich angemeldet hat, kann man während vier Wochen an diesen Tischen gegen andere „neue“ Spieler spielen. Reguläre Spieler, die länger als vier Wochen angemeldet sind, haben keinen Zutritt mehr an diese Tische. Ich bin kein grosser Fan dieser Lösung, weil viele Spieler, die sich bei einer Seite neu anmelden, ja bereits woanders online Poker gespielt haben und deswegen einen deutlichen Vorteil gegenüber den „echten“ Anfängern haben.

Aber ich würde 1tabling-Tische einführen. Das sind Tische, an die man sich nur setzen kann, wenn man an keinem anderen Tisch spielt. Das ist perfekt für die Hobbyzocker, welche im Full Screen Modus gemächlich ihre Pokerpartie spielen wollen. Für einen Profi ist es nicht interessant, weniger als 4-6 Tische zu spielen.

Diese Lösung hilft aber nicht allen Spielern. Es gibt ja auch die grossen Verlierer, die ihr Geld in erhöhter Geschwindigkeit (sprich: an mehreren Tischen gleichzeitig) verlieren. Aber immerhin stösst man damit die Regs nicht vor den Kopf. Und immer noch besser als eine Lösung mit anonymen Tischen, wie sie u.a. in diesem Poker Forum besprochen wurde, denn Regs sind auf Pokersoftware wie Holdem Manager in Kombination mit einem HUD (welche Live Stats zu den Gegnern an den Tischen anzeigt) angewiesen (und diese funktioniert an anonymen Tischen eben nicht).

 

Vorschlag 2: Warteliste pro Limit, nicht pro Tisch

Eine zweite Idee, die ich schon in einem englischsprachigen Blog las, ist die folgende: Es gibt keine Warteliste mehr pro Tisch. Es ist den Profis, welche ja oft auch noch Tools zum Auffinden der Tische mit den grössten Fischen verwenden, somit nicht mehr möglich, gezielt Fische zu jagen. Jeder Spieler wird einfach gemäss seinem Platz auf der Warteliste an den nächsten freiwerdenden Tisch gesetzt. Ein solches System müsste es auch ermöglichen, gleich mehrere Plätze in der Warteliste zu buchen, sodass Multitabler weiterhin rasch loslegen können.

 

Klar sind die beiden Vorschläge nicht so, dass damit die kurzfristigen Einnahmen der Pokerseite maximiert werden. Aber sind wären ein gangbarer Kompromiss, bei dem die guten Spieler einer Pokerseite weiterhin treu bleiben könnten. Denn was jetzt bei Party geschehen ist, ist ein Witz. Wenn starke Spieler zuletzt nur noch gegen starke Spieler zocken dürfen, dann wird kein einziger Spieler langfristig mehr Gewinn machen können. Und wenn sich diese Erkenntnis bei den Spielern durchsetzt, ist der Spass am Spiel dahin.

 

3 Responses to Online Poker: Wie man Hobbyspieler vor Profis schützen kann

  1. ruti sagt:

    Ich bin bei diesem Thema immer ein bißchen zweigespalten: Einerseits lernt man natürlich als Anfänger immer am meisten, wenn man gegen stärkere Spieler spielt. Um das eigene Spiel weiter zu entwickeln ists irgendwann einfach wichtig irgendwann gegen bessere zu spielen und auch zu verlieren – denn dann arbeitet man an seiner Spielweise, analysiert was man falsch gemacht hat und was man das nächste mal anders machen muss.

    Andererseits gibt es natürlich auch Freizeitspieler, deren Ziel es nicht unbedingt ist ein guter Spieler zu werden, sondern einfach an einem langweiligen Sonntag Nachmittag mal eine Runde zu pokern. Für die ist es natürlich angenehm andere Spieler zu haben die aus dem gleichen Grund spielen und bitter wenn sie gezielt von Regs ausgenommen werden, da dies natürlich mit einer lustigen Partie Poker nichts mehr zu tun hat.

    Allerdings stellt sich mir immer die Frage, ob eine Trennung vonseiten der Anbieter nötig ist, oder ob sich die nicht sowieso durch die Limits an den Tischen automatisch ergibt. Als Anfänger spielt man normalerweise doch ohnehin mit Blinds von 1 und 2ct (zumindest empfielt sich das würd ich mal sagen). Diese Limits sind ja für Regs nicht unbedingt spannend, wodurch sich ja eine Trennung von selbst ergibt. Oder ist meine Rechnung da falsch?

  2. Der Poker Profi sagt:

    Danke für Deinen Kommentar Ruti!
    Das sind ganz valide Punkte die Du hier beschreibst.
    Auf den Microlimits zu spielen ist halt nicht jedermanns Sache. Bei so kleinen Beträgen ist es für viele wie mit Spielgeld und sie (und die Gegner) nehmen es dann nicht so ernst, weswegen viele schlechte Spieler lieber auf höheren Limits spielen. Und viele schlechte Spieler realisieren nicht, dass sie so schlecht spielen, und spielen dann halt auf höheren Limits, ohne je etwas von Strategie oder Bankroll Management gehört zu haben. Und dann ist für viele halt der „Kick“ grösser, wenn der mögliche Gewinn höher ist, selbst wenn ihr ROI noch deutlich negativer wird auf den höheren Limits.

  3. Julia Auer sagt:

    Im Großem und Ganzem finde ich es ganz gut, dass seitens der Anbieter hierzu eine Intervention stattfindet. Neulinge werden so vor sich selbst geschützt und können sich erst einmal „einspielen“, und mit den Regeln vertraut machen. Sicher hat so ein Eingriff Vor- und Nachteile und eigentlich ist jeder Spieler für sich selbst verantwortlich aber meiner Meinung nach ist die Intervention hier berechtigt. Jedoch kann ich auch die Gegenargumente nachvollziehen, die mit Sicherheit auch nicht unbegründet sind.

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